Spurensuche
17
Aug

Erinnerungskultur im Pflaster

Zwischenbericht

Unser Projekt „Spurensuche – Erinnerungskultur im Pflaster“ ist mittlerweile gut vorangekommen. Gemeinsam mit dem Stadtmuseum und dem Stadtarchiv Großenhain beschäftigen wir uns mit der Frage, welche Spuren jüdischen Lebens es in unserer Stadt gibt und was mit den Menschen während der Zeit des Nationalsozialismus geschah.

Erste Recherchen und Archivarbeit:

Mit Hilfe des Stadtarchivs haben wir herausgefunden, wo verschiedene jüdische Familien in Großenhain wohnten und welche familiären Schicksale sich hinter den Adressen verbergen. Besonders intensiv beschäftigten wir uns mit der Familie Janowsky: Zu den Eltern gehörten zwei Kinder. Aus Sicht der Schülerinnen und Schüler war es besonders ungerecht, dass der jüdische Junge niemals die Schule besuchen durfte. Hintergrund: In Großenhain gab es keine jüdische Sammelkasse, die den Schulbesuch ermöglicht hätte. Nicht nur die Familie Janowsky, sondern auch viele andere jüdische Menschen wurden ab Oktober 1938 deportiert.

Kontakte und Unterstützung:

Außerdem haben wir Kontakt zu Jakob Görlitz aufgenommen, der als ehemaliger Gymnasiast bereits zu mehreren jüdischen Familien in Großenhain geforscht hat. Mit seiner Unterstützung und seinen Kontakten konnten wir noch tiefer in die Erinnerungskultur eintauchen.

Praktische Zugänge zum Thema:

Nach den Sommerferien haben wir uns dem jüdischen Leben praktisch zugewandt: Wir haben verschiedene jüdische Rezepte nachgekocht und festgestellt, dass die Gerichte unserer Essweise gar nicht so verschieden sind – und vor allem sehr lecker! Wir haben u.a. einen Hefezopf nach jüdischem Vorbild gebacken, dazu gab es unterschiedliche Salate aus Melone und Feta sowie Gurke und Jogurt. Außerdem haben wir kleine Gedenksteine bemalt, ähnlich denen, die auf jüdischen Gräbern zum Gedenken an die verstorbenen Personen liegen.

Exkursionen und Gedenkorte:

In den Herbstferien besuchen wir die Euthanasie-Gedenkstätte PirnaSonnenstein, denn auch jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden dort ermordet. Ein weiterer wichtiger Ausflug führte uns nach Dresden, wo wir den Neuen Jüdischen Friedhof besuchten. Besonders beeindruckend war der Austausch mit den Menschen vor Ort und die Auseinandersetzung mit den Geschichten der dort Begrabenen. Zusätzlich haben wir in Dresden, Bautzen und Meißen vorhandene Stolpersteine aufgesucht, fotografiert und dokumentiert. So konnten wir die Biografien der Menschen kennenlernen, an die die Stolpersteine erinnern.

Forschertagebuch und Dokumentation:

Unsere Ergebnisse halten wir in einem Forschertagebuch fest: mit Sofortbildern, Zeichnungen, Notizen und kreativen Ideen zu Stolpersteinen. So entsteht ein persönliches Dokument, das zeigt, wie Geschichte lebendig werden kann.

Ausblick und Höhepunkt:

Der Höhepunkt unseres Projekts wird die Verlegung eines neuen Stolpersteins in Großenhain gemeinsam mit dem Künstler Gunter Demnig sein. Außerdem entsteht eine kleine Ausstellung mit Fotos, Texten und kreativen Arbeiten.

Auch nach Projektende soll die Spurensuche weiterwirken: Andere Klassen übernehmen die Pflegepatenschaft für den neuen Stolperstein, damit die Erinnerung lebendig bleibt. Unsere Ergebnisse werden bei der Veranstaltung zur Stolpersteinverlegung, im Stadtmuseum Großenhain und auf der Schulhomepage präsentiert.

Träger: Diakonisches Werk Meißen gGmbH
Ort: Großenhain