Das indigene Volk der Pala’wan im Süden der philippinischen Provinz Palawan lebt seit Generationen im Bergregenwald der Gebirge Bulanjao und Mantalingahan. Der Wald liefert ihnen Nahrung, Holz zum Bauen und Wasser zum Trinken, er ist Lebensraum, Schutzraum und ein zentraler Teil ihrer kulturellen Identität. Doch dieser Lebensraum ist massiv bedroht. Die Bergbauunternehmen Rio Tuba Nickel Mining und Ipilan Nickel Mining betreiben seit vielen Jahren Nickel-Tagebau in der Region und haben in jüngster Zeit begonnen, ihre Abbauflächen ohne Genehmigung weiter auszudehnen. Dafür werden Wälder gerodet, Flüsse verschmutzt oder umgeleitet, Hänge gesprengt und illegale Probebohrungen durchgeführt, die gefährliche Löcher im Boden hinterlassen. Für die Pala’wan bedeutet das den Verlust ihrer natürlichen Lebensgrundlagen und eine zunehmende Verdrängung aus ihrem angestammten Gebiet. Viele Familien sehen sich gezwungen, in die Stadt abzuwandern, wo sie oft nur durch Gelegenheitsarbeiten oder Betteln überleben können. Besonders Kinder und Jugendliche leiden unter dieser Situation, denn der Verlust des Waldes führt nicht nur zu Armut, sondern erschwert auch den Zugang zu Bildung und sicheren Lebensbedingungen.
Obwohl gesetzliche Bestimmungen eigentlich den Schutz des Regenwaldes und der indigenen Gemeinschaften garantieren sollen, bleiben die Verstöße der Unternehmen meist ungeahndet. Die zuständige Umweltbehörde unternimmt kaum Maßnahmen gegen die illegale Ausweitung der Tagebaue. Für die Pala’wan selbst ist es nahezu unmöglich, sich zu wehren, da sie weder die Mittel für Rechtsanwältinnen und -anwälte noch für ein Gerichtsverfahren aufbringen können. Genau hier setzt Carpus e.V. in Zusammenarbeit mit der lokalen Organisation ELAC Palawan an. Es verschafft den Pala’wan erstmals die Möglichkeit, ihre Rechte vor Gericht einzufordern und juristisch gegen die Bergbauunternehmen sowie die untätige Umweltbehörde vorzugehen. ELAC sammelt Beweise, dokumentiert Rechtsverstöße und holt Zeugenaussagen ein, sodass eine rechtlich fundierte Klage vorbereitet werden kann. Im Namen der Pala’wan erhebt die Organisation schließlich Klage auf Unterlassung der illegalen Abholzung und Waldzerstörung und zwingt gleichzeitig die staatlichen Stellen dazu, ihre gesetzlichen Pflichten ernst zu nehmen.
Durch dieses Engagement entsteht für die Pala’wan eine reale Chance, ihren Lebensraum zu verteidigen und die Zerstörung ihres Territoriums zu stoppen. Der Gerichtsprozess gibt ihnen eine Stimme, die sie bisher nicht hatten, und stärkt ihre Selbstbestimmung gegenüber mächtigen wirtschaftlichen Akteuren. Das Projekt zeigt, wie wichtig rechtliche Unterstützung für marginalisierte Gemeinschaften ist und wie sie dazu beitragen kann, Natur und Kultur zugleich zu bewahren. Wenn es gelingt, die illegalen Aktivitäten der Bergbaukonzerne einzudämmen und die Behörden zum Handeln zu bewegen, können die Pala’wan weiterhin im Einklang mit dem Regenwald leben und ihre traditionsreiche Lebensweise an kommende Generationen weitergeben.