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07
Mai

Bildung braucht Raum: Ausbildung mit Zukunft in Ruanda

Herausforderungen durch Bevölkerungswachstum und Landknappheit

Ruanda ist eines der am dichtesten besiedelten Länder Afrikas. Mit über 500 Einwohnerinnen und Einwohnern pro Quadratkilometer – fast das Dreifache der Bevölkerungsdichte Sachsens – steht das kleine Binnenland vor enormen strukturellen Herausforderungen. Besonders im ländlichen Raum, wo fast 90 Prozent der Menschen von der Landwirtschaft leben, verschärft das Bevölkerungswachstum die Landknappheit. Da es nicht genug Land gibt, können nicht alle Kinder, die in kleinbäuerlichen Haushalten aufwachsen, selbst Bäuerinnen und Bauern werden. Eine nachhaltige Perspektive lässt sich für viele Jugendliche daher nur außerhalb der Landwirtschaft entwickeln.

Die ES Juru Technical Secondary School (ES Juru TSS) in Kabukuba liegt rund 45 Kilometer südlich der Hauptstadt Kigali. Sie bietet genau diese Perspektive: eine staatlich anerkannte, praxisnahe Berufsausbildung in Bau-, Elektro- und IT-Berufen. Eine qualifizierte Ausbildung auf dem Land ist oft nur durch ein Internat möglich, da weite Entfernungen und fehlende Schulbusse den täglichen Schulweg verhindern. Aktuell stößt die ES Juru TSS jedoch aus folgenden Gründen an ihre Grenzen:

  • Überbelegung: Viele der 550 Jugendlichen teilen sich zu viert ein Doppelstockbett.
  • Sanitärer Zustand: Die bauliche Substanz ist marode, sanitäre Anlagen sind unzureichend.
  • Gesundheitsrisiko: Es mangelt an effektivem Schutz gegen Moskitos und Malaria.

Die nationale Schulbehörde hat den weiteren Ausbau der Berufsschule an die Behebung dieser Mängel geknüpft.

Das Vorhaben: Förderliche Lern- und Lebensbedingungen schaffen

Das Projekt „Bildung braucht Raum“ setzt genau an diesen strukturellen Engpässen an. In enger Abstimmung mit der Schulleitung, der Elternvertretung und den zuständigen Behörden sind drei Maßnahmenpakete geplant:

  1. Renovierung und Neubau: Es werden zwei bestehende Internatsgebäude grundlegend renoviert und zwei neue Unterkunftsgebäude errichtet. Insgesamt entstehen so 366 Schlafplätze mit modernen sanitären Anlagen, qualitativ hochwertigen Möbeln und wirksamem Mückenschutz. Damit werden die Internatskapazitäten auf rund 600 Plätze insgesamt ausgeweitet und die Voraussetzungen für den Ausbau der Berufsschule erfüllt.
  2. Neue Klassenräume: Es wird ein neues Berufsschulgebäude mit vier Klassenräumen gebaut, das die Aufnahme neuer Ausbildungsjahrgänge ermöglicht.
  3. Technikanschaffungen: Einer dieser Räume als Smart Classroom mit rund 30 Laptops, Projektor und schneller Internetanbindung ausgestattet. Damit können erstmals drei Jahrgänge des Ausbildungsgangs „Computer Systems Architecture“ sowie der neu einzuführende Ausbildungsgang „Software-Entwicklung“ parallel unterrichtet werden. Zusätzlich soll der Smart Classroom außerhalb der Unterrichtszeiten für Schülerinnen und Schüler sowie die lokale Gemeinschaft offenstehen.

Das übergeordnete Ziel ist ganz klar: Es sollen zeitgemäße Lern- und Lebensbedingungen für mehrere hundert Jugendliche geschaffen werden und durch den Zugang zu einer qualifizierter Berufsausbildung im ländlichen Ruanda sollen sich die langfristigen Einkommens- und Beschäftigungschancen der Absolventinnen und Absolventen nachhaltig erhöhen.

Sustainable Villages Foundation

Die Sustainable Villages Foundation (SVF) ist eine 2020 gegründete, gemeinnützige Stiftung mit Stiftungssitz in Potsdam. Mit neun bezahlten und elf ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, darunter vier Ruanderinnen und Ruander im Kuratorium, verfügt die SVF über fundierte Expertise in den Bereichen Bildung, IT-Infrastruktur, Energie und Bauen. Gründer Joachim Hauschopp und Vorstandsmitglied Daniel Schmidt, ein erfahrener Architekt, sind nahezu in Vollzeit ehrenamtlich für die Stiftung tätig. Die SVF arbeitet seit Ende 2023 mit der ES Juru TSS zusammen.

Ein Beitrag von Sustainable Villages Foundation

Foto: Joachim Hauschopp