Wie klingt Unfreiheit? Und kann man Geschichte hören? Genau diesen ungewöhnlichen Zugang wählen Jugendliche im Projekt zur Gedenkstätte Hoheneck. Sie erforschen die Klangwelt des ehemaligen DDR-Frauengefängnisses und machen hörbar, wie sich Haft, Kontrolle und Isolation im Alltag angefühlt haben könnten.
Im Mittelpunkt stehen Geräusche und Töne: Schritte auf dem Gang, das Zuschlagen von Türen, Stimmen, Stille. Diese sinnlichen Eindrücke eröffnen einen neuen Zugang zur Geschichte, jenseits von Zahlen und Fakten. So wird erfahrbar, was es bedeutete, in einem repressiven System eingesperrt zu sein.
Die Motivation für das Projekt liegt auch darin, verbreiteten Mythen entgegenzuwirken. Immer wieder begegnen den Beteiligten verharmlosende Darstellungen der Haftbedingungen. Das Projekt setzt dem eine intensive, selbst erarbeitete Auseinandersetzung entgegen und ermöglicht Jugendlichen, sich ein eigenes Bild zu machen.
Die Jugendlichen arbeiten eigenständig und kreativ: Sie recherchieren in Archiven, führen Interviews mit Zeitzeuginnen und nehmen Geräusche direkt vor Ort auf. Aus diesen Materialien entwickeln sie einen Audio-Guide, der Besucher*innen durch die Gedenkstätte begleitet.
Das Ergebnis ist ein interaktives Angebot, das dauerhaft genutzt werden kann und speziell aus der Perspektive junger Menschen gestaltet ist.
Kooperationspartner sind unter anderem lokale Kulturakteure wie Theater und Musikvereine sowie Zeitzeuginnen und die Gedenkstätte selbst.
Träger: Gedenkstätte Hoheneck gGmbH
Ort: Stollberg