Wer lebte eigentlich früher in unserer direkten Nachbarschaft – und warum erinnern wir uns heute oft nicht mehr daran? Das Projekt „Vergessene Nachbarn“ geht genau dieser Frage nach. Jugendliche in Annaberg-Buchholz begeben sich auf Spurensuche nach jüdischen Lebensgeschichten aus ihrer Region und holen Biografien zurück ins öffentliche Bewusstsein, die lange unsichtbar waren.
Im Mittelpunkt stehen Menschen, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben vor Ort geprägt haben und deren Leben durch die Verfolgung im Nationalsozialismus gewaltsam beendet wurde. Die Jugendlichen setzen sich mit ihren Geschichten auseinander, recherchieren, fragen nach und machen sichtbar, was oft nur noch in Archiven oder Erinnerungen existiert.
Die Motivation für das Projekt entstand ganz konkret vor Ort: Bei einer Museumsnacht erfuhren Jugendliche, dass ihr eigenes Jugendzentrum selbst ein historischer Ort ist. Diese Entdeckung weckte Neugier und den Wunsch, tiefer zu graben. Warum gab es hier jüdisches Leben? Was ist daraus geworden? Und warum erinnert heute so wenig daran?
Die Jugendlichen recherchieren in Archiven, führen Gespräche mit Expert*innen und Nachfahren, besuchen Gedenkorte und entwickeln eigene Formen der Darstellung. Ob Ausstellung, Broschüre, Comic oder audiovisuelle Beiträge – die Ergebnisse werden vielfältig und niedrigschwellig umgesetzt.
Am Ende stehen eine öffentliche Ausstellung und weitere Präsentationen, die die erarbeiteten Geschichten in die Stadt zurückbringen. Kooperationspartner sind unter anderem die Städtischen Museen Annaberg-Buchholz sowie Gedenk- und Lernorte in Chemnitz und Terezín
Träger: Ev.-Luth. Kirchenbezirk Annaberg / Regionalteam Annaberg
Ort: Annaberg-Buchholz