Zwischenbericht
Unser Projekt ist in diesem Jahr mit großer Vorfreude gestartet. Die Jugendlichen waren besonders begeistert, dass wir erneut den Zuschlag erhalten hatten, und konnten es kaum erwarten, dass die Kick-OffVeranstaltung endlich stattfand. Dort konnten sie sich bereits intensiv mit anderen Projekten austauschen und neue Motivation schöpfen. Von Beginn an hatten wir zwei zentrale Ziele:
- Weitere Recherche zum Schützenhaus mit der Leitfrage, ob sich noch mehr Namen und Biografien von Personen finden lassen, die dort inhaftiert waren und womöglich ein ähnliches Schicksal wie Marie Richter erlitten haben.
- Die Realisierung einer Gedenkstätte, die nachhaltig an die Geschehnisse im Schützenhaus erinnert. Für den zweiten Schwerpunkt entwickelten wir in unseren wöchentlichen Treffen bereits erste Entwürfe, u. a. mithilfe von KI, wie eine solche Gedenkstätte gestaltet sein könnte*1.
In Gesprächen mit der Stadtverwaltung entstand die Idee, eigene Erinnerungssteine zu schaffen. Bald wurde jedoch klar, dass das Projekt zunächst einen Stadtratsbeschluss erfordert. Aufgrund der parallel stattfindenden Großveranstaltungen (Kät, Märchenfestival) war unsere Ansprechpartnerin in der Stadtverwaltung stark eingebunden, sodass dieser Prozess bislang aufgeschoben werden musste. Das war ein erster Dämpfer für die Gruppe.
Daher legten wir den Fokus verstärkt auf die Recherchearbeit. Wir nahmen Kontakte außerhalb von Annaberg auf, etwa in Ehrenfriedersdorf und Gornsdorf, wo Marie und Hans Richter gearbeitet hatten. Dabei lernten wir viele engagierte Menschen kennen. Allerdings stießen wir auch hier auf die Schwierigkeit, dass kaum noch weitere Informationen überliefert sind. Ein wichtiger Höhepunkt war im Spätsommer die Entdeckung eines Dokuments, das weitere Personen benennt, die im Schützenhaus inhaftiert waren.
In diesem Fall handelte es sich um jüdische Bürgerinnen und Bürger, die später in umliegende Gefängnisse oder Konzentrationslager deportiert und ermordet wurden. Diese Funde waren bewegend, zugleich aber auch emotional fordernd – gerade für die Jugendlichen. Ein Highlight im bisherigen Verlauf ist die Planung eines Themenabends am 7. November 2025 unter dem Titel „VERGISSMEINNICHT – erforschen, erzählen, erinnern. Jugendprojekte im Gespräch“.
Er wird in der Alten Brauerei stattfinden und richtet sich vor allem an Jugendliche, aber auch an interessierte Bürgerinnen und Bürger, Stadträte sowie Fachpublikum. Eingeladen sind Jugendgruppen aus dem Erzgebirgskreis, die ebenfalls in der außerschulischen Bildungsarbeit aktiv sind. Geplant ist ein vielfältiges Programm mit Präsentationen, Musik, alkoholfreien Cocktails und professioneller Moderation. Die Jugendlichen haben mit großem Engagement an den Inhalten gearbeitet und sind hochmotiviert, diesen Abend zu einem besonderen Erlebnis zu machen. Damit ergeben sich für die kommenden Monate drei klare Arbeitsschwerpunkte:
- Endplanung und erfolgreiche Durchführung des Themenabends im November,
- Fortführung der Gespräche mit der Stadt zur Umsetzung der geplanten Gedenkstätte und
- Durchführung einer Projektwoche in den Herbstferien, in der ein Podcast entsteht.
Dieser Podcast wird das Medium sein, mit dem wir die Geschichte von Marie Richter und dem Schützenhaus jugendgerecht aufarbeiten. Er soll nicht nur lokale Erinnerungsarbeit leisten, sondern auch bei den diesjährigen Jugendgeschichtstagen präsentiert werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Trotz mancher Rückschläge und organisatorischer Hürden ist die Motivation in der Gruppe hoch.
Die Jugendlichen haben gelernt, mit Verzögerungen umzugehen, und kreative Lösungen gefunden, um das Projekt am Leben zu erhalten. Die Aussicht auf den Themenabend und den Podcast gibt derzeit enormen Schwung. Sie lässt erahnen, dass unser Projekt nicht nur Ergebnisse in Form von Forschung und Gedenken hervorbringen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und Sichtbarkeit von Jugendprojekten in der Region leisten wird.
*1Vision der Gedenkstätte
Träger: Jugend- und Kulturzentrum Alte Brauerei Annaberg e.V.
Ort: Annaberg-Buchholz