So war´s!

Rückblick auf die 13. Sächsischen Jugendgeschichtstage am 23. und 24. November 2017

Das Wetter zeigte sich zur Eröffnung der Sächsischen Jugendgeschichtstage am Donnerstag im Landtag in Dresden von seiner Sonnenseite. Die Jugendgeschichtstage sind der Höhepunkt des Spurensuche-Jahres. Sie werden in Kooperation mit dem Sächsischen Landtag ausgerichtet und als 2-tägige Veranstaltung umgesetzt.

In diesem Jahr beteiligten sich 26 Jugendgruppen aus allen Teilen Sachsens am Programm. Sie haben Geschichte aufgespürt, die so in keinem Geschichtsbuch zu lesen ist. Sie durchforsteten Dokumente, sprachen mit Zeitzeugen die ihnen Auskünfte gaben über eine Zeit, die sie selbst nicht miterlebt haben. Rund 240 junge Menschen haben in ihren Projekten ein Stück der Geschichte aufleben lassen und sich so für ihre Heimatregion engagiert.

Von der Vertonung der Geschichte des verfallenen Zweikronenhauses in Zittau, mit Sitz der ehemaligen Kleiderfabrik „Berta & Schubert“, über die bewegenden Erlebnisse der Menschen, die wegen Krieg ihre Heimat verlassen mussten reichte die Palette der Geschichtsprojekte. Jugendliche aus Chemnitz befragten Groß- und Urgroßeltern zu ihren Erfahrungen nach dem Zweiten Weltkrieg und führten Interviews mit Flüchtlingen aus Syrien. In einer praxisorientierten Zeitreise beschäftigte sich eine Jugendgruppe aus Görlitz im Rahmen des Reformationsjahres mit den Personen Martin Luther, Johannes Gutenberg und Iwan Fjodorow, dem russischen Erfinder des Buchdruckes. Die nachgebaute funktionstüchtige Druckerpresse konnte auf den Jugendgeschichtstagen auch ausprobiert werden.

Am ersten Tag standen für die Projektgruppen sechs Angebote zu historischen Themen im Vordergrund. Workshops mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, ein Zeitzeugengespräch über „Punk sein“ in der DDR und das Spiel „Bürokratopoly“, welches die die Machenschaften des SED-Regime aufzeigt, fanden im Landtag statt. In einem weiteren Workshop belegten Jugendliche einen „Crash-Kurs“ zu Filmaufnahmen- und Interviewtechniken und begleiteten den Projektemarkt am nächsten Tag mit der Kamera. Den nun fertigen Film über die 13. Jugendgeschichtstage findet hier.

Drei weitere Angebote fanden außerhalb des Landtags statt. Eine „Actionboundtour“ des Politischen Jugendrings Dresden über die Stadtgeschichte Dresdens, eine Führung durch das Schulmuseum Dresden sowie der Besuch der Ausstellung „Das Gesicht – Eine Spurensuche“ im Hygienemuseum standen auf dem Programm. Am Abend sorgte der Zauberer Florian Steinborn für magische Momente und Überraschungen auf dem Herbergsschiff „Pöppelmann“.

Mit der Eröffnung des Projektemarkts durch den Landtagspräsidenten Dr. Matthias Rössler und den Grußworten von Dr. Anke Schröder, Referatsleiterin Kinder- und Jugendhilfe des Sächsischen Staatsministeriums für Soziales und Verbraucherschutz und  der Geschäftsführerin der Sächsischen Jugendstiftung Andrea Büttner, wurde es bunt im Sächsischen Landtag. In dieser Zeit präsentierten die Projektgruppen ihre Ergebnisse, konnte ein Quiz gelöst und über den Publikumspreis abgestimmt werden.

Anschließend wurde der Plenarsaal durch dem Musiker RANY und dem Poetry Slammer Lucas Böhme in Beschlag genommen, die uns grandios unterhielten und zum Nachdenken anregten. Emma und Moritz vom Spurensucherteam des ASB Neustadt führten uns souverän durch das Programm, und verliehen die Publikumspreise und Quizpreise. Den Publikumspreis erhielten die SpurensucherInnen aus Rochlitz. Sie präsentierten das Modell des Gebäudes der VEB Hydraulik Rochlitz. Mit vielen ehemaligen Arbeitern aus den unterschiedlichsten Bereichen führten sie Zeitzeugengespräche und sammelten so zahlreiche historische Fakten und unglaublich viele kleine Episoden des Arbeitsalltages.

Über eine besondere Würdigung der Spurensuche-Jury, welche im März die Projekte zu einer Förderung auswählte, konnten sich die Projektgruppen der CaTeeDrale e.V. aus Görlitz, die Montessori-Schule aus Chemnitz sowie die Jugendwohngruppe des AWO Kinder- und Jugendhaus mit Herz aus Plauen freuen.

Wir sagen allen Gewinnern herzlichen Glückwunsch und allen Jugendgruppen ein dickes Dankeschön für die fantastischen Tage!

Wir sehen uns hoffentlich alle bei den 14. Sächsischen Jugendgeschichtstagen am 23. und 24. November 2018 im Sächsischen Landtag wieder!

Wir bedanken uns bei unseren kooperativen und verlässlichen PartnerInnen für die Ermöglichung des vielfältigen Programms der Jugendgeschichtstage und bei den jungen Menschen für ihr Interesse, ihre Motivation und ihr Durchhaltevermögen.

 

„Das Beste, was wir von der Geschichte haben, ist der Enthusiasmus, den sie erregt.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die Jugendgeschichtstage sind die Plattform für den Austausch von Erfahrungen und der Präsentation von Ergebnissen der (lokal)historischen Forschung mit und durch junge Menschen. Jährlich im November werden die Jugendgeschichtstage in Kooperation mit und im Sächsischen Landtag durchgeführt und von vielen Geschichtsvereinen, interessierten Bürgern, Vertretern der Politik und vor allem von vielen Jugendgeschichtsprojekten genutzt.

Wir sind davon überzeugt, dass das Erforschen von Geschichte(n) Spaß und Leidenschaft erzeugen kann. Vom Kindertraum detektivischer Puzzlearbeit sind das Sichten uralter Dokumente und Fotografien, das Erfragen faszinierender Ereignisse und Geschichten und das Heben des historischen Schatzes als Momente der Erkenntnis nicht weit entfernt. Vergangenes bekommt Namen und Gesichter, wird greifbar und konkret. Lernen wird bereichert durch Handeln und Probieren - Lernstoff durch regionale Bezüge und Geschichten.

Die Kontaktstelle für Jugendgeschichtsarbeit verfolgt das Ziel, Initiativen, Institutionen und Organisationen, die im Bereich der historischen Forschung engagiert sind, zusammenzubringen, den Austausch zu befördern und Kooperationen anzuregen. Wir beraten und unterstützen Jugendinitiativen und Projektgruppen, die in ihrer Region ein Stück Geschichte zum Leben erwecken, historische Fakten und Spuren heben und sichern wollen.

Geschichtsprojekte als Form der schulischen und außerschulischen Bildung stellen ein wichtiges demokratisches und kulturelles Lernfeld dar. Junge Menschen, die sich in Projekten mit Heimat, Identität, historischen Veränderungsprozessen und Biografien befassen, erfahren interdisziplinäre Wissenszugänge und erwerben handlungsorientiert demokratische Kenntnisse und Fähigkeiten.

In den betreuten Geschichtsprojekten entstehen Arbeiten, die vielseitige Themen und Schwerpunkte verfolgen. Gemein ist allen, dass junge Menschen einen Beitrag zu ihrer regionalen und lokalen Erinnerungskultur leisten.